
In Kaiator ist Krieg an der Tagesordnung. Betrachtet man Velikas sonnenbeschienene Straßen und die grünen, sanft geschwungenen Ebenen, könnte man durchaus auch mal vergessen, dass Krieg herrscht, in Kaiator ist dies jedoch zu keiner Zeit möglich.
Es gibt unterschiedliche Arten von Schönheit - so etwa die klassische, romantische Schönheit von Velika oder die gewaltige höfische Architektur von Allemantheia. Die Amani bezeichnen Velika als Eintopfschüssel, Allemantheia als Weinglas, Kaiator hingegen ist für sie ein Schmelztiegel.
Die Schönheit von Kaiator zeichnet sich – genauso wie die Schönheit der Amani selbst – vor allem durch eine ungeheure Kraft aus: mächtige Stahlrahmen, erleuchtete Türme, Magmaströme, die in gigantische Schmieden geleitet werden, bestimmen das bis in den Himmel aufragende Stadtbild. Hoch über Kaiator leuchten in der Dunkelheit riesige Statuen von Kaia – das ist die Göttin und Beschützerin der Stadt. Nach jahrtausendelanger magischer Versklavung durch die Riesen schätzen die Amani nun die Freiheit als ihr höchstes Gut. Sie gilt es mit allen Mitteln zu verteidigen - viele Amani haben ihr Leben für die Freiheit gelassen.
Geschichte
Als die Menschen von ihrem Schutzgott verflucht wurden, fielen die Amani und die Devaner über die Länder der Menschen her, was auf beiden Seiten zahlreiche Opfer forderte. Bedauerlicherweise fanden die übermächtigen Riesen, dass ihnen die Amani als Soldaten sehr nützlich sein könnten. Sie versklavten das ganze Volk und banden sie mit einem unzerstörbaren Siegel des Gehorsams an sich, um sich ihrer Treue zu versichern.
Tausend Jahre lang kämpften die Amani die Schlachten der Riesen - sie mussten deren schmutzige, gefährliche Arbeit erledigen und wurden zu starken Kampfmaschinen herangezüchtet. Und warum auch nicht? Ihre Treue war schließlich durch eine unüberwindbare Kraft gewährleistet.
Die enorme Arroganz der Riesen beleidigte jedoch die Götter, die dann das Heilige Reich der Riesen an einem einzigen Tag zerstörten. Aber nicht einmal der Zorn der Götter konnte die Amani befreien. Tausende verloren ihr Leben, weil sie ihre verhassten Unterdrücker verteidigten. Die Überlebenden mussten ins Exil des Nördlichen Shara ziehen, wo sie eine eisige Ödnis vorfanden.
Als die Riesen ihr Reich wieder aufbauten, beteten die Amani um Erlösung. Ihr eigener Gott hatte sich schon vor langer Zeit von ihnen abgewendet, aber Kaia hatte Erbarmen und bat Lok um Hilfe. Das Rätsel eines angeblich unzerstörbaren Siegels stellte für Lok und seine geschickten Devaner eine enorme Herausforderung dar - diese Aufgabe reizte sie sehr. Nach drei Jahren harter Arbeit übergab Lok den Amani schließlich den Schlüssel zur Freiheit.
Die Riesen mussten bald feststellen, welch fähige Krieger sie erschaffen hatten – die Amani waren äußerst flink, stark, intelligent und natürlich erfahren. Sie jagten die Riesen aus der Stadt, rissen alles nieder, was diese jemals erbaut hatten und errichteten eine neue Stadt. Zu Ehren ihrer Retterin nannten sie diese Kaiator.
Die Belagerung
Kaiator, der Fels in der Brandung, symbolisiert den Schwur der Amani, sich niemals wieder versklaven zu lassen. Jedoch kam es eines Tages zu einer Invasion der Argonen, die die kleinen, zersplitterten Königreiche des Nördlichen Shara überrumpelten. Schreckliche Kriegsmaschinen übertrafen alles an Macht, was man jemals im Norden gesehen hatte. Die ersten Kampfhandlungen kamen sehr überraschend und schon bald wimmelte es in den Wäldern und auf den Feldern im Süden von Flüchtlingen.
Die jahrhundertealte, gewaltige Festung Kaiator hätte ihre massiven eisernen Tore durchaus vor den Flüchtlingen verschließen können. Stattdessen gaben die Einwohner jedoch jedem, der kämpfen oder sich seinen Unterhalt verdienen konnte, einen Schlafplatz. Andere versorgten sie mit sauberem Wasser und Nahrung sowie einer sicheren Passage Richtung Süden, soweit Kaiator diese halten konnte. Diese großzügige und äußerst anständige Geste veranlasste immer mehr engagierte Bürger, Kaiators Mauern gegen die Invasion der Argonen zu verteidigen.
Nur ein einziges Mal konnten die Argonen die Stadtmauern durchbrechen. Die Göttin Kaia unterrichte schon lange junge Amani in der Kriegsführung auf dem öffentlichen Platz im Stadtzentrum. Die Teilnehmer konnten dort üben, ohne von den Soldaten gestört zu werden, die sich weiter weg bei den äußeren Mauern aufhielten. Plötzlich durchbohrten die Argonen die Steine der Stadtmauer. Kaias Schüler reagierten in dieser Situation jedoch wohlüberlegt. Boten rannten zu den Kasernen und verkündeten die schlimme Nachricht jedem, der ihnen über den Weg lief. Als Argonensoldaten dem Bohrloch entstiegen, griff die Lehrerin sie an und konnte dabei voll und ganz auf die Unterstützung ihrer Schüler zählen.
Schließlich trafen Arbeiter aus den nahegelegenen Gießereien ein. Aus dem Bohrloch trat plötzlich eine fettige, blauschwarze Gaswolke aus, die wie Wasser über den Boden quoll und alsbald den ganzen Hof füllte. Dabei handelte es sich um die arteigene Atmosphäre der Argonen und in dieser geballten Konzentration verursachte sie Blasen auf der Haut und verätzte die Lungen. Die Arbeiter stürmten herbei, um Kaia zu verteidigen, einige von ihnen mussten allerdings mit blutenden Augen zurückbleiben, andere brachen einfach zusammen.
Aber die Schüler blieben. Inmitten der dunklen Wolke konnten sie die Öffnung des Bohrlochs mit ihren eigenen Körpern verschließen und sie verstopften sie mit Kleidern, um ihre Stadt und ihre Freiheit zu retten. Mehrere hundert Arbeiter und Schüler starben auf diesem Platz. Einhundert Soldaten, die versucht hatten, weitere Bohrungen zu verhindern, starben in den Tunneln unter der Stadt. Nur fünfhundert Schüler überlebten.
Die Gegenwart
Die Geschichte des Durchbruchs der Stadtmauer war sicherlich ein Grund in Gallian für Velikas Wunsch nach einer gemeinschaftlichen Verteidigungsstrategie gegen die Argonen. Heute übernimmt Kaiator die Leitung des Valkyonangriffs. Kaiator ist die größte Stadt im Nördlichen Shara, dort gibt es die besten von Sterblichen gefertigten Rüstungen und Waffen.
Die massiven Eisentore und die gut bewachte Pegasusflugbahn garantieren die Versorgung durch Karawanen und Truppen. Auf den Straßen wimmelt es von Soldaten, aber es gibt auch Handwerker und Kaufleute. Man kann auch junge Amani sehen, die Treppen hinaufspurten, Wasser zu den Schmieden tragen oder einfach nachdenken – und das alles, um das Recht zu erwerben, an Kaias Unterricht teilzunehmen, den sie auch heute noch erteilt.
Sowohl vor als auch nach den Kämpfen ist Kaiator der Anlaufpunkt der Soldaten. Die toten Helden werden in der größten Gießerei der Stadt eingeäschert - sie heißt Tiegel. Diese Tradition begann mit dem Durchbruch der Stadtmauer. Die Namen derer, die damals dort eingeäschert wurden, hat man auf Bolzen und Nieten eingraviert, damit sie in den riesigen Mauern und Pfeilern der Stadt erhalten blieben. Seit dem Durchbruch wurden die Namen zahlreicher Popori, Menschen und Elfen aufgelistet, aber nur zwei Baraka kam diese Ehre zuteil. Dabei handelte es sich um Kulmar und Bororu, einem verheirateten Paar, die am Tage des Durchbruchs in der Gießerei arbeiteten. Es ist schon bemerkenswert, dass in Kaiator zweier riesenähnlicher Wesen auf diese Weise gedacht wird.
Ein gutes Leben in Kaiator zu führen, bedeutet, wie ein Amani zu leben: Die Amani kämpfen für ihre Freiheit und verteidigen ihren Nachbarn, wie sie auch sich selbst verteidigen würden. Sie tolerieren keinerlei Tyrannei. Macht erlangt man entweder durch Treue und gewisse Fertigkeiten oder eben überhaupt nicht. Kaiator ist zwar ein gnadenloser Ort, aber Kameradschaft und Aufstiegschancen werden großgeschrieben, wenn man sich als würdig erweist. In Kaiator ist es nicht eben ratsam, zu stehlen, obwohl so etwas noch nie vorgekommen ist.
Es gilt zwar nicht als schändlich, ab und an eine List anzuwenden, aber Diebstahl ist ein Vertrauensbruch und damit äußerst unehrenhaft. Jedes Volk ist hier willkommen, obwohl die Baraka immer etwas schief angesehen werden. Man geht nach Kaiator, um seine Kampffertigkeiten zu verbessern, damit man sein Volk verteidigen kann. Dort macht man sich kampfbereit. Diejenigen, die bleiben, machen das der Freiheit wegen - und weil sie glauben, dass Würde, Ehre und Reichtum mehr bedeuten, wenn man zusammen für sie kämpft.
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Quelle: TERA Europe







